Textfeld: Im April 1950 wurde ich in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein eingeschult. Es waren gerade 5 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und 2 Jahre nach der Währungsreform vergangen. Entsprechend ärmlich waren die Verhältnisse, zumal meine Eltern und ich als Flüchtlinge aus Westpreußen in dieses Dorf gekommen waren. Eine Schultüte gab es natürlich nicht, sondern die einfachste Grundausstattung von Schulranzen, Schiefertafel und Griffelkasten. Am ersten Schultag empfing uns ein ziemlich alter, dicker Schulleiter mit goldener Uhrenkette über dem Bauch und erzählte uns recht streng über den nun beginnenden Ernst des Lebens! Mein Klassenlehrer war Gott sei Dank jung, schlank und freundlich. Er nahm uns mit in unser Klassenzimmer, in dem schon das 2., 3. und 4. Schuljahr saßen. Es war eben eine typische Landschule, in dem das 1. bis 4. und das 5. bis 8. Schuljahr jeweils in einem Klassenzimmer unterrichtet wurden. Und es herrschte noch Zucht und Ordnung: Schürze für die Mädchen, saubere Fingernägel, nasser Schwamm, gespitzter Griffel! Alles wurde morgens kontrolliert. Und es gab natürlich auch mal Tatzen auf die Finger und für die Buben mit dem Haselstecken auf den Hosenboden. Aber es war auch gemütlich, wenn der Lehrer im Nachmittagsunterricht Geschichten erzählte. Ausflüge gab es nicht, höchstens mal einen Spaziergang um das Dorf herum. Im ersten Jahr erlebte ich auch noch die „Schulspeisung“ in der großen Pause. Das war eine Stiftung der USA für deutsche Schulkinder und bestand meistens aus einer Suppe. Aber am Mittwoch gab es Kakao, ein Weckle und eine kleine Tafel Blockschokolade. Das war der schönste Tag der Schulwoche!
Im Oktober 1952 zogen wir nach Riegel am Kaiserstuhl. Die neue Schule gefiel mir ganz gut, denn hier war jeweils nur ein Schuljahr in einem Klassenzimmer. Aber der Klassenlehrer war nicht nach meinem Geschmack, denn er war dick, alt, unfreundlich und „tierisch“ streng. Von ihm bekam ich auch die einzigen Tatzen meines Lebens, voll auf die Fingerspitzen. Das war gleich am Anfang im Musikunterricht. Er begleitete unseren Gesang immer auf der Geige. Leider spielte er aber nicht kunstvoll, sondern grauenhaft. Und da musste ich natürlich lachen, was er dann mit den Tatzen bestrafte. Im 4. Schuljahr hatte ich dann zwei sehr nette Lehrerinnen, die uns am Samstag in der letzten Stunde immer aus Jugendbüchern vorlasen, was mir besonders gefiel. Eigenartigerweise gefielen mir die Schönschriftübungen überhaupt nicht!
Anschließend wechselte ich auf das Gymnasium nach Emmendingen über. Für ein Landkind wie mich war das eine riesige Umstellung. Ich war wirklich ein richtiges Landkind: schüchtern, beinahe ängstlich und sehr still. (Kann man heute sicher nur schwer nachvollziehen!) Im Gymnasium hatten wir fast in jedem Fach einen anderen Lehrer/ in und teils auch sehr eigenartige und verschrobene Typen. Geschichten über sie würden alleine ein Buch ergeben. Alle sprachlichen und musischen Fächer mochte ich sehr gerne, aber Mathematik, Physik und Chemie waren der reine Horror für mich. (Vielleicht auch für die entsprechenden Lehrer mit mir?) Ende der 50-iger Jahre veränderte sich einiges im Unterrichtsstil. Die Strenge lockerte sich, die Atmosphäre in der Schule wurde menschlicher. Ein Lehrer gab uns sogar nachmittags im Schulhaus Tanzunterricht, damit wir einigermaßen für den Sommerball der SMV (!) vorbereitet waren. Was müssen seine Ohren unter der lauten „Rock and Roll“- Musik  gelitten haben! Die letzte Klasse, die Oberprima (13. Klasse), genoss eine besondere Vergünstigung in der großen Pause. Sie durfte sie vor dem Schulhaus auf den Bänken an der Straße verbringen und musste nicht mit der ganzen „Hammelherde“ unter Aufsicht auf dem Schulhof herumspazieren. Mit 19 Jahren waren wir sicher auch alt genug, um auf uns selbst aufzupassen.
Trotz bereits gelockerter Atmosphäre gab es aber immer noch Ordnungen, die heute unvorstellbar sind. Zur mündlichen Abitursprüfung kamen die Jungen in Anzug und Krawatte und die Mädchen im dunklen Kleid oder Kostüm! Genauso feierlich mit entsprechenden Reden war die Entlassfeier.
Damit endete mein Schulleben nicht, denn nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg ging ich wieder in die Schule. Im April 1966 begann ich in einer Landschule im Kreis Waldshut. Im Sommer 1968 wechselte ich an die Landschule in Malsburg und 1970 nach Kandern, wo ich heute noch unterrichte. 
Übrigens, mein Traumberuf war immer (trotz mancher Negativerlebnisse während meiner Schulzeit) ....... 

Lehrerin!