Textfeld: Im folgenden könnt ihr einen Bericht lesen, den eine ehemalige Schülerin unserer Schule verfasst hat. Ihre Erlebnisse mit dem „Teufel Magersucht“ führten sie bis an den Rand des Todes. Damit es euch nicht auch einmal so ergeht hat sie diesen Artikel geschrieben:

Alles begann mit der „man kann es ja mal versuchen“ Diät. Mein Ballettlehrer sagte mir, ich sei über die Ferien etwas fest geworden und ich könnte 3 Kilo abnehmen. Und genau das war der Auslöser. Also begann ich mit der Empfehlung meiner Mutter die Trennkost (Trennkost ist, wenn man sie betreibt eine Gewicht reduzierende Diät, d.h. wer zu dünn ist nimmt davon zu, wer zu dick ist nimmt ab. Man isst immer viel Gemüse und dazu entweder Fleisch, Fisch also Eiweiß oder Kartoffeln, Reis oder Nudeln also Kohlenhydrate.) Meine Trennkost bestand darin, dass ich nur Gemüse aß, ohne Eiweiß und keine Kohlenhydrate. Natürlich begann ich mich jeden Tag zu wiegen und freute mich, wenn ich ein Kilo abnahm. Und ich hatte Erfolg. Ich war auf 50 kg. Alle fanden es toll, andere hatten aber schon Angst um mich, da sie einige Anzeichen einer Magersucht erkannten. 

Ich begann immer weniger zu essen
Trank keine kalorienhaltige Getränke mehr
Trieb viel Sport
Suchte Ausreden um nicht essen zu müssen
Stand oft vor dem Spiegel und tastete meinen Körper 
nach spürbaren Knochen ab
Aß nur noch Gemüse, Obst und Joghurt

Natürlich fiel mein Gewicht nun weiter nach unten. Ich hatte 46 kg. Alle aus meiner Familie waren besorgt um mich und hatten große Angst. Sie versuchten auf mich einzureden; doch die Stimme die mich in die Magersucht zog, hatte mich im Griff. Für andere ist das schwer zu verstehen und andere denken: „Wie kann man so blöd sein und nichts essen, das ist doch so einfach!“ Leider ist das nicht so. Man kann einfach nichts mehr essen. Diese Stimme „verbietet“ zu essen. Ich begann also, die Kalorientabelle zu studieren und wusste schlussendlich genau, wie viele Kalorien das Mittagessen hatte. Ich nahm ungefähr noch 300 Kalorien zu mir. Mehr erlaubte mir die Stimme nicht. Sie war ständig bei mir, den ganzen Tag und zog mich wie an einem Seil. Näher und näher zum Tod. 
Ich war es mir nicht mehr wert zu essen. Ich wollte nichts mehr von der Welt wissen, und wollte immer kleiner und „dünner- durchsichtiger“ werden. Nach einem Besuch bei einem Arzt, stellte sich heraus, dass ich eine Körpertemperatur von 35,7 C° hatte. Ich hatte ständig kalte Füße, fror in der Schule und nahm nicht mehr am Sportunterricht teil. Meine Periode fiel aus und ich hatte einen BMJ von 14. (Der BMI -Bodymaß Index- errechnet sich, indem man die Körpergröße mit sich multipliziert und dann das aktuelle Gewicht durch die erhaltene Zahl teilt. 1,70 m, 68 kg schwer –> 68 : (1,7 x 1,7). Der normale Wert liegt zwischen 19 und 25.)
Durch das ständige Frieren bekam ich Frostbeulen an den Füßen. Das sind Beulen an den Zehen wie Verbrennungsblasen. Sie sind rot, jucken und entzünden sich schließlich. Das sind große Schmerzen!! Meine Nerven wurden schwächer und ich konnte nichts mehr ertragen. Alles war zu viel, die Schule, das Balletttraining, die Arbeit zu Hause und der Kampf gegen den Tod. Denn die Magersucht ist ein Kampf gegen den Tod. Mit genau 40 Kilo wurde ich dann ins Krankenhaus eingewiesen. Dort hatte ich ein paar Tage meine Ruhe. Ich hatte aber gedacht, dass ich „das essen wieder lernen kann, aber das war alles mit Therapieren verbunden. Das wollte ich nicht!!!
Eine Ärztin gab mir die Entscheidung „entweder lässt du dir eine Sonde legen, oder versuchst dem Ernährungsplan zu Hause, von 1800 kcal. zu folgen. Ich sah 3 Mädchen, die an der Sonde hingen. Eine Sonde wird durch den Mund durch die Speiseröhre, in den Magen geführt. Durch diese Sonde wird dann 5 x täglich eine Trinknahrung von 300- 350 kcal in den Magen gefüllt. Wirklich!!
Ihr könnt verstehen, dass ich mich natürlich für den Ernährungsplan entschieden habe.
So ging ich 1 x pro Woche zum Hausarzt um mein Gewicht kontrollieren zu lassen, und musste 1 x pro Woche zu einer Psychologin. Ich musste mein Essen abwiegen und das waren Unmengen zu essen. Aber ganz langsam versuchte ich meinen Magen wieder zu füllen und zu dehnen. Aber trotzdem war die Stimme noch da und zog mich manchmal wieder 1-2 Kilo zurück. Dieser Stimme andauernd zu widersprechen, stärker zu sein und „NEIN“ zu sagen, braucht unglaublich viel Kraft. Die Psychologin hat mir sehr geholfen und hat mir meine Lebensfreude wiedergegeben. Sie brachte mich ins reelle Leben zurück und half mir, die Stimme langsam zu vertreiben. Ich bin der Meinung, dass es ohne Psychologin nicht geht. Nach ungefähr 1 Jahr hartem Kampf, wiege ich nun wieder 52 Kilo und kann wieder essen, so wie ich es will. Ich habe wieder Lust am Leben und eine andere Stellung zum Leben. Ich war dem Tod sehr nahe, habe ihn kennen gelernt. 
Ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut, euch über die Erfahrungen mit ihm zu berichten. Es hat mich sehr gefreut über ihn und mein Leben berichten zu dürfen. Hört nicht auf Laute, die sagen, dass ihr zu dick seid, denn diese Leute sind mit sich selbst nicht zufrieden. Schönheit kommt von innen. Was nützt es, wenn man eine schöne Figur hat, aber böse und hässlich im Herzen ist?!
Ich wünsche all denjenigen, die betroffen sind, ganz viel Kraft und Mut. Gebt nicht auf, sondern kämpft weiter!! Wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt, oder einen Rat braucht, dann meldet euch. Ich beantworte sie gerne und werde versuchen euch zu helfen.

Mein Kampf gegen die Stimme der Magersucht.