Neue Strukturen in der August-Macke-Hauptschule in Kandern

 

Die folgenden Ausführungen stützen sich in vielen Teilen auf die Erfahrungen und Erkenntnisse der Grund- und Hauptschule Neuenstein. Teilweise sinngemäß oder im Wortlaut ähnlich wurden der strukturelle Aufbau sowie viele Punkte, die sich nicht ausschließlich auf unsere Kanderner Schule beziehen, aus dem Erfahrungsbericht des Jahres 2003 der Schule in Neuenstein übernommen.

 

Kurzbeschreibung der Schule

 

Die Kanderner Schule ist eine Verbundschule, die sich aus einer Hauptschule und einer Realschule zusammensetzt. Sie wird von ca. 500 Schülern und Schülerinnen besucht. Davon gehen etwa 140 Schüler in die Hauptschule und 360 in die Realschule. Im Gegensatz zur Realschule, die durchgehend zweizügig, im 6. und 10. Schuljahr sogar dreizügig ist, fährt die Hauptschule, bis auf das diesjährige 8. Schuljahr, seit zwei Jahren einzügig.

An der Schule arbeiten insgesamt 40 Lehrerinnen und Lehrer. Davon unterrichten 11 GHS-Lehrer/innen und ca. 9 Realschullehrer/innen an der Haupt-schule.

Der Anteil der ausländischen Schüler/innen an der Kanderner Schule ist relativ niedrig und liegt unter 5%. Rund 40 bis 60% unserer Hauptschüler/innen kann man als leistungsmotiviert und über 90% als nicht verhaltensschwierig einstufen.

Haupt-und Realschule sind in einem Gebäude untergebracht. Die beiden Schularten teilen sich außer dem Französischraum alle Fachräume und die Sporthalle.

Unsere Schule liegt am Waldrand und bietet somit den Schülerinnen und Schülern in unmittelbarer Nähe viel Bewegungs- und Erkundungsmöglichkeiten. Der Schulhof wird derzeit nach modernsten erlebnispädagogischen Gestaltungserkenntnissen erneuert.

 

Besondere Arbeitsschwerpunkte im Schulcurriculum unserer Schule sind der Mittagstisch (2mal wöchentlich) im Schulcafé mit dem Titel „Schüler kochen für Schüler“ als gemeinsames Schüler-Eltern-Lehrer-Projekt,  die jährliche Herausgabe einer Schülerzeitung „Amacka-News“, die in den letzten Jahren stets unter den Preisträgern des Landes zu finden war, das 4-wöchige Projekt „Orientierung in Berufsfeldern“ (OiB) im 8. Schuljahr sowie „Neue Wege beim Start in die Hauptschule“ ab Klasse 5.

 

Insgesamt ist festzustellen, dass das ganze Hauptschulkollegium Veränderungsprozessen gegenüber sehr aufgeschlossen ist, wenn eindeutig geklärt ist, welche Zielsetzungen erreicht werden sollen und Klarheit über die zusätzlichen Belastungen besteht.

 

Die Projektprüfung wurde an unserer Schule mit dem regulären Start 2000 eingeführt. Wir waren uns einig, dass Fachkompetenz, verstärkt auch Sozial-, Methoden- und Selbstkompetenzen erworben werden müssen, um bei der Projektprüfung gute Leistungen erbringen zu können. Deshalb musste der Projektunterricht und der projektartige Unterricht einen neuen, höheren Stellenwert innerhalb des Unterrichts erhalten. Innerhalb der herkömmlichen Schul- und Unterrichtsstrukturen waren die Rahmenbedingungen für einen neuen Schwerpunkt projektartigen Unterrichtens nicht gegeben. An unserer Schule wurden deshalb zusätzliche neue Wege für alltagstaugliche Lernformen gesucht. Diese sollten das Fundament zur Projektprüfung bilden.

 

Fündig wurden wir in einem GEW-Heft Anfang 2003 in einem Artikel über das „Ingelfinger Modell“. Hier wurde die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Neuenstein (www.schule-neuenstein.de) vorgestellt, die bereits mit dem sogenannten „Ingelfinger Modell“, zurückgehend auf die Grund- und Hauptschule Ingelfingen, experimentierte.

 

Elemente des „Ingelfinger Modells“

 

 

Das Ingelfinger Modell wurde noch auf der Grundlage des alten Fächerkanons entwickelt. Die GHS Neuenstein unterrichtet seit 2000 mit dieser Unterrichtsform.

 

Unser gesamtes Hauptschulkollegium einschließlich Schulleitung besuchte im Juni 2003 die Schule in Neuenstein, um vor Ort gründlicheren Einblick in die Struktur und praktische Umsetzung des Modells zu nehmen.

 

Nach dem Besuch der Neuensteiner Schule wurde vom Kollegium der Entschluss gefasst, das Ingelfinger-Neuensteiner-Modell für unsere Schule zu entwickeln und im Einklang mit dem neuen Bildungsplan umzusetzen.

 

In der Gesamtlehrerkonferenz am 2. März 2005 wurde nach einer zweijährigen Planungszeit mehrheitlich beschlossen, das „Kandern-Ingelfinger-Modell (KIM)“ ab dem Schuljahr 2005/2006 einzuführen.

 

 

Das Kandern-Ingelfinger-Modell (KIM)

 

Ab dem Schuljahr 2005/2006 wird in der gesamten Hauptschule nach den neuen Fächerverbünden Welt-Zeit-Gesellschaft (WZG), Materie-Natur-Technik (MNT), Wirtschaft-Arbeit-Gesundheit (WAG) und Musik-Sport-Gestaltung (MSG) unterrichtet.

 

Das 1. Tertial dient vorrangig der Sicherung der Bildungsstandards. Es wird im Klassenverband unterrichtet. Für die Fächerverbünde und die Kernfächer werden im Rahmen des schuleigenen Curriculums im Verbund mit dem Kerncurriculum verbindliche Themen festgeschrieben, die Voraussetzung und Grundlage für die Wahlfreiheit der Schüler/innen sind. Diese Pflichtthemen werden im Moment in Fachkonferenzen erarbeitet.

 

Im 2. und 3. Tertial wählen die Schüler/innen der Klassen 7 bis 9 themen-orientierte Projekte oder projektartige Themen aus. Dies bedingt eine Rhythmisierung in der Tages- und Wochenplanung und –gestaltung. Die Unterrichtsinhalte sind bildungsplanbezogen, Verbindungen innerhalb der Verbünde und zu den Kernfächern sind beabsichtigt.

 

Wichtig war uns auch, Projektangebote außerschulischer Experten in unser Modell aufzunehmen. Diese tragen neue Sichtweisen in die Schule und ermöglichen damit Schülerinnen und Schülern realitätsnahe Lernerfahrungen. Damit werden sowohl gesellschaftliche wie auch berufsbezogene Aspekte der Projektarbeit für die Schüler/innen durchsichtig gemacht.

 

 

 

 

Zielsetzungen

 

Schule soll zunehmend als Lebensraum für Kinder und Jugendliche gestaltet werden, um optimale Lernprozesse zu ermöglichen und Defizite im Erziehungsgeschehen wenigstens ansatzweise ausgleichen zu können.

Immer mehr Schüler/innen lernen nicht leicht und benötigen individuelle Hilfestellungen. Grundbedingungen dafür sind vielfältige Unterrichtsformen und flexible Unterrichtsorganisation.

In den Kernfächern (D-M-E) liegt der Schwerpunkt auf dem Erwerb von Basisqualifikationen. Themenorientierte Projektangebote werden in den Fächer-verbünden als Pflicht- oder Wahlthemen angeboten.

 

Themenorientierte Projektangebote

 

„Themenorientierung“ meint, dass Lernfelder ausgewählt werden, die aus unserer Sicht zukunftsrelevante, exemplarische Schlüsselthemen darstellen und zumindest teilweise auch Schülerinteressen ansprechen.

An diesen Themen soll fachliches Lernen, überfachliches Lernen, soziales Lernen und methodisches Lernen stattfinden.

Der Unterricht wird nicht als reiner Projektunterricht angeboten werden. Es ist vielmehr sinnvoll und notwendig, dass teilweise lehrgangsorientierter, kursartiger Unterricht stattfindet. Die Entscheidung liegt bei der jeweiligen Lehrkraft, auch unter dem Gesichtspunkt eines effektiven Erreichens der Bildungsstandards. Diesem Vorgehen kommt das 1. Tertial mit den Pflichtthemen entgegen.

 

Jahrgangsgemischte Gruppen

 

Kinder wachsen heute zunehmend in Strukturen auf, die gekennzeichnet sind von Ein-Kind-Familien, Scheidungen, Berufstätigkeit beider Elternteile und wenig kinderfreundlichen Wohnverhältnissen. Wichtige Sozialisationserfahrungen wer-den so schwer möglich. Altersgemischte Lerngruppen bieten Chancen, diese Defizite auszugleichen.

In besonderem Maße können Schüler/innen davon profitieren, anderen etwas zu erklären, da dies den Lernprozess unterstützt. Eigene Lernprozesse werden hierbei nachkonstruiert, korrigiert und vertieft. Oft können Schüler/innen Sachverhalte ihren Mitschüler/innen nachvollziehbarer erklären als die Lehrkraft.

Positiv erscheint uns auch die ständige Veränderung der Gruppenzusammensetzung in unseren themenorientierten Projektangeboten, da erworbene soziale Stellungen in der Klasse aufgehoben werden können und damit auch Negativzuschreibungen überwunden werden. Wir erhoffen uns, dass „festgefahrene“ Gruppenkonstellationen durchbrochen werden.

 

 

 

 

Themenfindung

 

Themenformulierung und die Themenangebote bedürfen einer ständigen Überprüfung und Veränderung im Sinne einer Angebotsverbesserung. Eine sehr enge Zusammenarbeit innerhalb der Verbünde-Kollegen ist eine Grundvoraussetzung.